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DFG-Projekt "Siedlung und Grubenanlage Herxheim b. Landau"

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Grabung 2005-2008

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Grubenanlage und Siedlung
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Grubenanlage
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Publikationen

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Keramik

Die Untersuchung der Keramik aus den Siedlungsbefunden im Innenraum der Grubenanlage hat gezeigt, dass – entgegen der Ergebnisse der Voruntersuchungen nach Beendigung der ersten Grabung 1996-1999 – der Siedlungsplatz bereits in der älteren Bandkeramik (Phase Flomborn) belegt war. Seit etwa 5300 v. Chr. bestand damit hier eine bandkeramische Siedlung, die ohne Unterbrechung während der jüngeren Phasen bis in die jüngste LBK belegt war. Damit stellt Herxheim die derzeit einzige Referenzfundstelle der Pfälzer Regionalgruppe dar, was ihr über die sonderbaren Fundkonzentrationen in der Grubenanlage hinaus für die Pfalz eine herausragende Stellung verleiht. Die quantitativ und qualitativ wichtigste Keramikmenge gehört in die Phase der Deponierungen von Schädelkalotten und Schädeln in Vergesellschaftung mit zerschlagenen Menschenknochen und zahlreichen anderen Artefakten. Aus dieser Phase, die in die jüngste Bandkeramik datiert , sind - neben mehreren Dutzend Gefässen, die dem Pfälzer Regionalstil zugewiesen werden können - auch Importe aus der Blicquy-Gruppe (westliches Belgien) sowie aus sieben weiteren Regionalgruppen der Bandkeramik (Neckar-Gruppe, Rhein-Main-Schraffurstil, Leihgestern, Plaidt, Bayern, Elster-Saale, Šárka) in den Konzentrationen anzutreffen. Im bereits in dieser Hinsicht ausgewerteten Innengrubenring beträgt die Menge der auswärtigen Stilgruppen angehörenden Keramikgefäße fast 50 % des gesamten Tongefäßbestandes.

Regionalstile

Herkunftsgebiete der auswärtigen Keramikstile in Herxheim: 1=Blicquy; 2=Rhein-Mosel (Plaidter Stil); 3=Rhein-Main (Schraffurstil); 4=Nordhessen (Stil von Leihgestern); 5=Elster-Saale; 6=Neckar; 7=Böhmen (Šarka-Stil); 8=Bayern. 

 

Keramik
Taschengefäss
Keramikgefäß im Rhein-Main-Schraffurstil
Taschengefäß mit nicht lokalem Verzierungsstil

Damit bietet sich in Herxheim eine völlig außergewöhnliche Situation, sind doch Keramikstile so vieler verschiedener jüngstbandkeramischer Regionen in keinem anderen Fundplatz der Bandkeramik in dieser Vielfalt und Menge an Einzelgefäßen höchster Qualität vorhanden.

Die Elster-Saale-Gruppe (Mitteldeutschland) und Šárka (Böhmen) belegen das Vorhandensein von Beziehungen zwischen der Oberrheinebene und dem Elbtal über Entfernungen von mehr als 400 km. Dies ist umso bemerkenswerter, als andere, nähere Regionalgruppen wie etwa die niederelsässische Gruppe, die südwestliche Bandkeramik oder das Omalien, in Herxheim nicht vertreten sind.

Neben der prunkvoll verzierten Feinkeramik tritt auch in größeren Mengen unverzierte Gebrauchskeramik in Form von Kochtöpfen, großen Vorratsgefäßen, Schalen oder Kümpfen in den Konzentrationen auf. Im Gegensatz zu den verzierten Keramikgefäßen finden sich in dieser Gruppe häufiger ganze Gefäße.

Vorratsgefäß
Oberteil eines großen Koch- oder Vorratsbehälters mit einer plastischen Verzierung auf dem Gefäßkörper: Kochlöffel und Quirl?


Zahlreiche der Gefäße aus den Konzentrationen in der Grubenanlage ließen sich restauratorisch ganz oder zum großen Teil wieder zusammenfügen. Auffallend ist bei einer Reihe von Miniaturgefäßen, dass diese nicht gänzlich zerstört, sondern lediglich, als eine Art „pars pro toto-Zerstörung“ auf dem Gefäßbauch sitzende Knubben oder Ösen abgeschlagen wurden.

Miniaturgefaesse
Auswahl an Miniaturgefäßen aus der Grubenanlage. Teilweise sind die Knubben und Ösen der ansonsten ganz gebliebenen Gefäße abgeschlagen.


Es ist davon auszugehen, dass die Gefäße vor Ort absichtlich zerschlagen oder teilzerstört wurden. Diese intentionelle Zerstörung, die ebenso bei Steingeräten, Mahlsteinen und vor allem den menschlichen Überresten zu beobachten ist, spielt offenbar in Herxheim eine wichtige Rolle. Wie befundübergreifende Zusammensetzungen von Gefäßteilen belegen, wurden die Gefäße nach ihrer Zerschlagung teilweise in verschiedenen Konzentrationen niedergelegt.

Keramikgefäß des Plaidter Typs


Christian Jeunesse

 

 

 

letzte Änderung: 05.10.2012