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DFG-Projekt "Siedlung und Grubenanlage Herxheim b. Landau"

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Die Knochen-, Zahn- und Geweihartefakte aus Herxheim

Die hervorragende Erhaltung der Knochen in Herxheim erlaubt es nicht nur, detaillierte Untersuchungen an der riesigen Zahl von Menschenknochen vorzunehmen, sondern ist auch für eine andere Materialgruppe von erheblicher Bedeutung, die in der bandkeramischen Forschung lange eine eher untergeordnete Rolle gespielt hat: die Knochen-, Zahn- und Geweihartefakte. Mit, beim derzeitigen Bearbeitungsstand, 448 Stücken handelt es sich in Herxheim, neben Vaihingen/Enz, um eine der größten Serien des Frühneolithikums in Mitteleuropa.

Abb. 1: Gesamtzahl der Artefakte aus Herxheim.

 

Ein Teil, nämlich 201 Stücke der Grabung 1996-1998, wurde bereits im Rahmen meiner Magisterarbeit zusammen mit den Stücken des bandkeramischen Fundplatzes von Rosheim (Bas-Rhin) 2001 untersucht. Mittlerweile hat sich die Anzahl der Artefakte mehr als verdoppelt (Abb. 1). Die neuen Stücke stammen zwar zu einem erheblichen Teil aus den Befunden der Neugrabung von 2005 bis 2008, aber 135 Artefakte konnten noch nachträglich bei der Aufarbeitung der Menschen- und Tierknochen der ersten Grabung aussortiert werden. Damit liegen aus Herxheim mit der Magisterarbeit (n=201), dem Rest der Altgrabung 1996-1998 (n=135) und der Neugrabung 2005-2008 (n=112) drei verschiedene Inventare vor, die sich anbieten, einmal zu überprüfen, in wie weit die jeweiligen Grabungs- und Aufarbeitungsmethoden ausschlaggebend für ihre Zusammensetzung sind (Abb. 2).

Abb. 2: Knochen-, Zahn- und Geweihartefakte nach Artefaktklassen und Rohmaterial.

 

Auf der Altgrabung wurden größere Abtragseinheiten zusammen unter einer Fundnummer inventarisiert und das Fundmaterial während der Grabung in ungewaschenem Zustand nach den Materialgruppen getrennt. Die Knochen wurden dann durch ABM-Mitarbeiter im Grabungshaus gewaschen und beschriftet. Auf dieser Basis wurde das Material schließlich auf die einzelnen Bearbeiter verteilt. Dabei gelangte offensichtlich ein erheblicher Teil der Geräte zusammen mit den Menschen- oder Tierknochen zu den zuständigen Anthropologen, bzw. Archäozoologen und wurde erst im Zuge ihrer Bearbeitung aussortiert. Bei den aussortierten Stücken handelt es sich vor allem um Produktionsabfall und kleinere Bruchstücke von Geräten, die weniger gut zu erkennen sind als mehr oder weniger vollständige Exemplare. Der Anteil der Schmuckgegenstände, die in der Regel von besonderem Interesse sind, ist dagegen sehr gering. Die große Zahl von Geweihstücken unter dem erst später aussortierten Material hat unterschiedliche Gründe. Zum einen wurde Geweih nicht generell als Rohmaterial für die Geräteproduktion betrachtet und deshalb bei den Tierknochen belassen. Zum anderen sind kleinere, unbearbeitete Geweihstücke nur schwer von Knochenfragmenten zu unterscheiden. Ein weiteres Problem sind starke Versinterungen, die die Überarbeitung einzelner Stücke häufig überdeckten. So war etwa ein Geweihstück dermaßen mit Kalkausfällungen überzogen, dass sich die für die Bandkeramik typischerweise durch Spanabhub ausgeführte Durchlochung erst nach Entfernung der Versinterungen erkennen ließ (Abb. 3 [Geweihstück 282-63-4]).

 

Abb. 3: Geweihstück mit Durchlochung.

 

Auf der Grabung von 2005 bis 2008 waren ähnliche Schwierigkeiten von vornherein ausgeschlossen, da hier der vollständige Prozess von der Fundnummernvergabe (meistens nur für einzelne oder sehr wenige Stücke) über die Bergung, das Waschen und gegebenenfalls Kleben oder Härten sowie eine erneute Durchsicht des Materials bis hin zur Beschriftung direkt auf der Grabungsfläche durchgeführt wurde.
Mit 112 Stücken liegen von der Neugrabung 1/3 so viele Artefakte wie von der Altgrabung vor. Legt man das Verhältnis der untersuchten Flächen der Neugrabung und der Altgrabung von 1:4 zugrunde, so war eigentlich nur mit 84 Stücken zu rechnen. Ob in der erhöhten Stückzahl auf der Neugrabung tatsächlich die sorgfältigere Grabungsmethode zum Ausdruck kommt ist fragwürdig. Abgesehen von Verteilungsmustern, die sich aus der Nutzung der Siedlung durch die frühneolithischen Menschen ergeben haben können und sich nur schwer rekonstruieren lassen, muss bei der Interpretation dieser Zahl auch berücksichtigt werden, dass auf der Fläche der Altgrabung im östlichen Teil die Befunderhaltung aufgrund von Erosion deutlich schlechter und dass auf einer größeren Strecke der äußere Grubenring durch Baumaßnahmen in den 1950er Jahren undokumentiert zerstört worden war.
Vergleicht man das Material der beiden Grabungen in Herxheim hinsichtlich des verwendeten Rohmaterials, so ergeben sich für die Anzahl der Geweih- und Zahnartefakte fast identische Prozentzahlen. Lediglich bei der Anzahl der verwendeten Flach- bzw. Röhrenknochen lassen sich geringfügige Unterschiede feststellen, die aber die grundsätzliche Bedeutung der Röhrenknochen nicht in Frage stellen. Die hohe Zahl an Zahnartefakten in Herxheim ist durch die zahlreichen Anhänger aus Menschen-, Rinder-, Carnivoren- und Schweinzähnen und den Hirschgrandeln bedingt (Abb. 4).

Schmuckanhänger aus durchbohrten Tier und Menschenzähnen
Abb. 4: Zahnanhänger. Schmuckanhänger aus durchbohrten Tier und Menschenzähnen

 

Und auch die Schmuckgegenstände aus Geweih- und Knochen dürften mit dem besonderen Charakter der Deponierungen in der Grubenanlage innerhalb der letzten Besiedlungsphase in Herxheim zusammen hängen. Andererseits würde man in den beiden Grubenringen weniger Abfallstücke erwarten, die im Zusammenhang mit der Produktion von Geräten stehen. Eine Übersicht nach den unterschiedlichen Artefaktklassen und der jeweiligen Befundsituation bestätigt zwar beide Annahmen, aber trotzdem kommen sowohl in den Innenbefunden einige Schmuckgegenstände vor, als auch aus der Grubenanlage ein nicht unerheblicher Teil des Produktionsabfalls (Abb. 5).


Abb. 5: Verteilung der Knochen-, Zahn- und Geweihartefakte auf die Befunde.

 

Abb. 6: Typeneinteilung der Knochen-, Zahn- und Geweihartefakte.


Eine Übersicht über die typologische Gliederung des Materials zeigt die Dominanz der Spitzen innerhalb des Geräteinventars (Abb. 6). Aber auch die aus halbierten Rinder- oder Hirschrippen gefertigten Stücke wie die Rippengeräte mit zwei Arbeitskanten (Glätter), die Eberzahngeräte oder die Geräte mit Auflagefläche (Spachtel) mit jeweils deutlich über 20 Exemplaren sind wichtige Werkzeuge. Die Geräte mit querstehender Arbeitskante (Beitel und Dechselklingen) mit insgesamt 28 Stücken belegen die Bedeutung der Holzverarbeitung (Abb. 7). Der hohe Anteil an Halbfabrikaten und Produktionsabfall erleichtert es, die Herstellung zahlreicher Gerätetypen zu rekonstruieren.

Geräte: Geweihretuscheur, Knochengeräte und zwei Eberzahnartfakte

Abb. 7: Geräte: Geweihretuscheur, Knochengeräte und zwei Eberzahnartefakte

 

 

Fabian Haack

 

letzte Änderung: 05.10.2012